Vorschau
MNEMOSYNE – TOPOLOGIEN EINES ARCHIVS
MAURUS SCHIFFERLI, LANDSCHAFTSARCHITEKT
Eröffnung, 20. Januar 2026, 19 Uhr
Ausstellung 21 01 – 20 03 26
Die Ausstellung eröffnet einen Einblick in das digitale Archiv des Schweizer Landschaftsarchitekten Maurus Schifferli und versteht dieses nicht als bloße Sammlung abgeschlossener Projekte, sondern als dynamisches Ordnungssystem des Denkens. Ideogramme, Zeichnungen, Fotografien, Pläne und Projektfragmente bilden ein relationales Gefüge, in dem sich Entwurfsprozesse, Erinnerungen und Motive überlagern und fortschreiben.
Aus einem umfangreichen digitalen Datensatz werden mittels thematischer Tags relevante Inhalte extrahiert und in wechselnden Konstellationen sichtbar gemacht. Die Datenbank fungiert dabei nicht nur als Speicher, sondern als aktives Steuerungsinstrument: Sie ermöglicht eine genealogische Lesart des Werks, in der Projekte weniger chronologisch als vielmehr über Affinitäten, Rekurrenzen und Verschiebungen miteinander verbunden sind. Die Ausstellung präsentiert in drei Teilen einen kuratierten, zugleich stets fragmentarischen Auszug aus diesem Fundus – in Form von Bildtafeln, Präsentationsplänen und Dispositiven zu fünf Projekten.
Der Begriff Mnemosyne verweist bewusst auf Aby Warburgs gleichnamigen Bilderatlas, in dem Bilder nicht nach kunsthistorischen Kategorien, sondern nach assoziativen, symbolischen und motivischen Beziehungen angeordnet wurden. Mnemosyne bezeichnet hier keinen statischen Kanon des Erinnerns, sondern einen Denkraum, in dem Bedeutungen aus Nachbarschaften und Konstellationen entstehen. In dieser Tradition begreift auch das Archiv Schifferli Erinnerung als topologisches Gefüge: nicht linear, nicht abgeschlossen, sondern beweglich und stets neu aktualisierbar. Landschaftsarchitektur wird dabei nicht bloß als räumliche oder prozessuale Gestaltung verstanden, sondern als eine Praxis des Erinnerns, Erzählens und Ordnens – als Denk- und Sehraum, in dem Bilder, Begriffe und Ideen in immer neuen Konstellationen wirksam werden.
